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Unser Weg zur Hofschlachtung - Teil 1

Aktualisiert: 19. Dez. 2023




 

Es begann alles vor einigen Jahren mit einer Exkursion im Rahmen meines Studiums der Agrarwissenschaften. Wir besuchten einen 'kleinen' Schlachthof. Unsere Ankunft war in der Morgendämmerung, gleichzeitig mit einem Kleinbus voller ausländischer Arbeiter, die in den Schlachthof gingen.

Im Schlachthof angekommen unterlagen wir strengen Hygienevorschriften, mussten Hände desinfizieren, bekamen Überzieher für Schuhe mit denen wir zusätzlich durch ein Schuhbad laufen mussten, einen Kittel und einen Schutz für die Haare. Die Schlachtung an sich sahen wir nicht. Das Erste, das wir zu Gesicht bekamen, waren viele frisch geschlachtete, bereits enthäutete, zuckende (kurz nach dem Schlachten kann es noch zu Nervenzuckungen im Muskelgewebe kommen) und dampfende Tierkörper von Schafen. Sie hingen nebeneinander aufgehängt an großen Haken an der Decke und kühlten aus bevor sie über das Rohrbahnsystem an der Decke in eines der Kühlhäuser transportiert wurden. Folgte man den Bluttropfen auf dem Boden, wusste man in welches Kühlhaus die ersten Schafe gebracht wurden. Wir gingen weiter und blickten in den nächsten riesigen Kühlraum in dem eine Vielzahl von halben Muttersauen hing. Durch das Hängen zieht sich der Körper natürlich in die Länge und erschien mir dadurch überdimensional groß für ein Schwein. Wir gingen weiter und konnten durch ein Fenster in einen anderen Raum blicken. Dort waren die Arbeiter, die zuvor aus dem Bus gestiegen waren. Sie verrichteten in einem Raum ohne Fenster nach draußen, nur unter künstlichem Licht, stumpf ihre Arbeit am Fließband mit den immer selben Handgriffen. Gegen Ende der Führung wurde uns von einem Arbeiter in weißen Gummistiefeln und weißer Schürze, die bereits blutverschmiert war, gezeigt wie mit einer elektrischen Säge ein Rinderkörper in zwei Hälften geteilt wird. Am Ende gab es in den Geschäftsräumlichkeiten des Schlachthofes noch einen kleinen Umtrunk und Leberkäse aus eigener Herstellung. Ich bin dankbar, dass der Schlachthof, der als Vorzeigebetrieb gilt, uns diese Einblicke in seine sensiblen Prozesse gewährt hat, das ist keine Selbstverständlichkeit!

 

Ein paar meiner Kommilitonen sind gar nicht erst mitgefahren, aber ich fand es wichtig als Fleischkonsument und Rinderhalter zu sehen, welchen Weg die Tiere in ihren letzten Lebensstunden gehen. Ich dachte, ich stecke die neu gewonnenen Eindrücke gut weg, da ich Hausschlachtungen von klein auf kenne und das nie ein Problem für mich war. Die Nacht darauf lehrte mich aber Anderes, ich schlief sehr unruhig und schlecht und die Bilder des Tages ließen mir keine Ruhe. Es waren einfach die Masse der Tiere, die Dimensionen und allgemein die Atmosphäre, die dort herrschte, die unbewusst auf mich wirkten und mich nicht schlafen ließen. Hier war der Samen gelegt, sollte ich eines Tages den Hof meiner Eltern übernehmen, wollte ich versuchen, dass unsere Tiere nicht dort enden. Was zu diesem Zeitpunkt aber nahezu utopisch klang, da wir, wie fast alle anderen tierhaltenden Landwirte, Teil des Systems waren und auf die Schlachthöfe angewiesen sind. Da es aus verschiedenen Gründen immer weniger Metzgereien gibt, folgt eine Zentralisierung der Schlachtbetriebe, die immer größer werden und das auch müssen, um überhaupt noch rentabel wirtschaften zu können.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich ehrlich gesagt noch nicht, wie man aus diesem 'System' ausbrechen kann und dass es - wie sich später herausstellte - noch andere Wege gibt.

 

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